Aktionen und Termine  


NACHLESE zum Lesemarathon am 13. und 14. September 2008 bei der LiteraturCompany auf dem Kulturfestival Dichter.dran in Friedrichshagen

Wer hätte gedacht, dass Träume und Visionen so schnell wahr werden, wie es bei uns geschehen ist.

Der Reihe nach:
Im November 2007 Gründung der 1. Berliner LiteraturCompany. Es werden ein Logo erarbeitet, eine Website und Visitenkarten, die wir konsequent nur an interessierte Schreiber und Leser verteilen. Unser Logo kommt gut an, vielen Dank dafür an Knut Winzker, der auch unseren Internetauftritt gestaltet hat.

Im Februar 2008 Anmeldung zum Kulturfestival „Friedrichshagen Dichter.dran“ Mitte September. Im Bräustübel findet die erste Sitzung statt, wir sind dabei.

In Gedanken gehen wir alle Fragen durch. Das Thema: „Blaumachen“ gefällt uns. Unser Hof in der Peter-Hille-Straße 97 kann entsprechend koloriert werden. Wir entschließen uns sogar, richtig zu investieren, um im Programmheft aufzufallen.
Schon im Vorfeld hagelt es Anrufe mit Anmeldungen zum Lesen. Wir laden alle Autoren ein, zu uns zu kommen. Wir wollen sie kennen lernen, die Dichter und Denker in Friedrichshagen und Umgebung.

Schon im Mai haben wir das Konzept in Sack und Tüten, feilen noch ein wenig am Inhalt, stellen versuchsweise Tische und Bänke auf und sehen alles schon bildlich vor uns.

Der August naht und die Programmhefte kommen mit leichter Verspätung in den Umlauf. Weitere Autoren suchen uns auf, um sich anzumelden. Wir versenden das Heft an alle Vorleser und machen einen Terminplan. Die Liste füllt sich, im Halbstundentakt soll gelesen werden. Auch Kinderautoren sind im Programm.

Noch eine Woche, dann ist es soweit. Jetzt gilt es, den großen Zettel abzuarbeiten, auf dem alle zu erledigenden Dinge notiert sind. Es darf nichts vergessen werden:

Freitag, 12. September 16 Uhr bis 19 Uhr, wir nehmen das große Auto: Die Bänke, Tische, das Schmalz, die Kaffeemaschine, Pumpkannen, Filter, Aufsteller, der bestellte Kuchen, Wasser und Apfelsaft, Bücherkisten, Werbematerial und die vielen kleinen blauen Dinge, Servietten, Becher, Plastiktassen, Pappen, Gäbelchen, alles muss mit. Dann ausladen: Wir schwitzen und hoffen, dass sich der Einsatz lohnt. Der Hof wird gefegt, alle Blumen noch einmal gewaschen und geföhnt, die Bänke und Tische werden bereitgestellt.

Samstag 9 Uhr. Wir schmücken den Hof, wir ziehen Schnüre von Baum zu Baum und hängen die mühevoll selbstgebastelten blauen Blätter auf. Luftballons verleihen der Trennwand zur Nachbarin ein neue Leichtigkeit. Wir dekorieren alle Bänke mit blauem Damastpapier, die Rolle zu 2,50 €, legen blaue Sitzkissen darauf und stellen das Büfett vor die Garage. Dort steht es sicher und windgeschützt und ist von allen einsehbar. Wir kleben Plakate auf Fenster und Mauerwerk, ordnen die Bücherkisten, stellen den Tisch und die Stühle für die Vorleser bereit und stehen dann in der Küche. Die ersten Schmalzstullen sind geschmiert, der Kuchen lockt auf dem Silbertablett, Kaffee und Apfelsaft fließt in Kannen und Karaffen. Wir decken das Büfett, der Wind braust, die Sonne scheint, die Aufsteller mit den Plakaten weisen den Weg in den Hof.

Punkt 10 Uhr. Fertig! Fix und fertig! Jetzt erst mal eine Tasse Kaffee, die erste am Tag. Hinsetzen und noch mal alles durchgehen: Haben wir alles? Haben wir! Die Gäste können kommen! Wir sind bereit! Umziehen. So blau, so blau...! Gegen den Rat meiner Imageberaterin wollen wir heute das Thema leben, durch und durch, und es macht auch vor meinen Findernägeln nicht Halt. 10.30 Uhr. Keiner kommt. Ruhe vor dem Ansturm? Wir genießen die Zeit, sind froh, dass wir nicht gleich überfallen werden, haben wohlweislich die Termine zu Beginn etwas locker belegt. Gegen 11 Uhr kommen die ersten Gäste, Regina Sander und Marcel Schott. Sie hatten sich telefonisch angekündigt und würden heute gerne vorlesen, doch noch ist kein Publikum da. Wir schwatzen über Gott und die Welt, trinken Kaffee, nehmen die ersten Schmalzstullen vom riesigen Berg, stellen unser beider Arbeit vor und finden viele Gemeinsamkeiten.

Diese kleine Auszeit haben wir uns verdient. Wir sitzen froh und zugleich erwartungsvoll in der Sonne als Frau Dr. Sigrid Strachwitz von der Arbeitsgruppe Friedrichshagen Dichter.dran vorbeikommt. Hoffentlich denkt sie nicht, es ist immer so leer, wie gerade jetzt, aber sie wirkt zufrieden mit uns. Das Thema Blau sei auf unserem Hof sehr präsent, sie bestaunt – und fotografiert sogar – meine blauen Fingernägel und zieht schließlich fröhlich weiter.

Zur zweiten Runde treffen Helga Meier-Keil mit Freundin ein. Sie haben sich eine Weile nicht gesehen und begrüßen sich herzlich. Tauschen Bilder aus, vom Boot, vom Park, von den Lieben. Wir lauschen der Unterhaltung, fangen an zu lachen, weil die Freundin immer wieder auf ihre beiden Möpse zu sprechen kommt. Es ging um Hunde, nehmen wir an.

Kerstin Vicent, die ihre Blaufisch und Schlaufisch-Geschichte pünktlich zum Festival fertig hat, kehrt mit Mann und Maus ein. Eine wunderbare Ausgabe, reich illustriert, in blaues Leinen geschlagen mit einem kleinen Passpartout für das Titelbild. Das Buch ist quasi noch warm vom Druck.

  

Die Bänke füllen sich, und wir rücken in einer konzertierten Aktion alle Sitzplätze weiter in die Sonne. Väter mit Kindern kommen und endlich darf Kerstin Vicent ihre Kindergeschichte vortragen. Wunderbar. Auch der Zungenbrecher „Blaufisch und Schlaufisch“ funktioniert tadellos. Am Ende brandender Applaus.

Dann liest Marcel Schock und danach Regina Sandner aus eigenen Texten.

  

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Helga Meier-Keil liest aus dem Buch: Ferien unter dem Donnerwetter,

Werner Ranft aus seinem neuen, noch nicht veröffentlichten Texten Grüner Tee.

Und schließlich zur Krönung des Tages: Erik Koszuta ein zwölfjähriger Jungautor. Auch hier ist die ganze Familie angerückt, Mama und Papa, Oma, Tante und Onkel, kein Platz mehr auf den Bänken. Wir stehen im leider doch etwas eisigen Wind und lauschen.

  

Erik liest aus seinem Buch Der Degenkönig. Wir lauschen gebannt, Erik liest immer schneller. Er will die halbe Stunde einhalten und liest und liest und dann: Stürmischer Applaus. Alle klatschen wie wild und wir sind begeistert von dem Jungen.

Das Büfett wird gestürmt, Kaffee und Kuchen schmecken, auch der Schmalzstullenberg schmilzt dahin. Nur Apfelsaft will keiner, obwohl er gut und teuer ist, es ist einfach zu kalt dafür. Und keiner sieht das Schild mit den Preisen. Eigentlich wollten wir für unseren Kindergarten nebenan sammeln....

Die Stimmung am ersten Tag war mehr als gut. Langsam leert sich der Hof. Über den Tag werden wir immer wieder gefragt, was wir eigentlich machen, worin wir unsere Aufgabe sehen. Wir erklären unsere Arbeit, erläutern, dass wir Buchprojekte realisieren, Manuskripte an Verlage vermitteln und zeigen Beispiele. Wir werden bestaunt und es geht uns richtig gut dabei.

Nach den letzten Aufräumarbeiten gönnen wir uns ein großes Glas Rotwein und eine heiße Wanne. Der erste Tag ist glücklich überstanden und wir bedanken uns beim Universum für das gute Gelingen. Jetzt freuen wir uns auf den Sonntag. Doch dann klingelt es gegen 19 Uhr und Gäste bitten um Einlass..., aber das ist eine andere Geschichte.

Sonntag, der 14. September, der zweite Tag unserer Selbst-Präsentation in Blau. Wir bereiten alles vor, frischer Kaffee kommt in die Pumpkanne, der Schmalzstullenberg wächst wieder, der Kuchen auf dem Tablett wird neu formiert, alles steht bereit.
Fabian Fischer trägt ein paar Zeilen aus einem Buch vor, das er gerade liest. Es heißt:
Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft. Wir lauschen und sprechen dann über das Thema hassen und lieben in Verbindung mit Schule. Leider (noch) keine Kinder weit und breit, so kommt Fabian heute nicht weiter zum Zug.

  

Die ersten Gäste trudeln ein, sie lassen heute nicht so lange auf sich warten wie gestern. Lutz Rackow erzählt von einem DDR-Bestseller, er unterhält die Runde.

Inge Kasan liest das erste Kapitel aus Reinhard Bartschs Roman-Trilogie Atakorien vor, wir sprechen über das Buch, der Autor kommt erst später dazu. Zeit für die Mittagspause. Die Gäste bleiben hartnäckig sitzen, Reinhard Bartsch wird erwartet, er soll sein Buch signieren.

Wir kochen Kaffee nach, schmieren neue Schmalzstullen und ordnen immer wieder das Büfett, keiner liest unser Preisschild.

Der Hof füllt sich wieder. Kinder kommen, vier an der Zahl: Max, Franz, Kira und Miriam, alle acht Jahre alt, wollen vorlesen. Sie haben ihre Eltern und Großeltern, Tanten und Onkels im Schlepptau, es wird ein Spaß der Sonderklasse.

  

Jetzt liest Ulrich Koep aus seiner Zukunftsgeschichte Rhodo Flint. Er ist heute dafür aus Bergisch Gladbach angereist. Die Kinder sind bei der Sache, und wie es der Zufall will schleicht an passender Stelle Jacko, unsere roter Kater, hinter ihm über den Hof. Vorleser und Katze haben die Kinder voll im Griff, der Applaus ist eindeutig.

  

Zuerst liest Max aus seinem selbstverfassten Romanfragment
Der rote Stein.
Das Buch könne man bei seinem Vater bestellen, verkündet er stolz. Applaus von den Bänken.

Danach liest Frau Meier-Keil aus Sternenkinder. Eine ernste, traurige Kindergeschichte mit autobiografischem Hintergrund, ein schwieriger Text in diesem offenen Rahmen, aber die Kinder zeigen sich erstaunlich verständnisvoll und applaudieren fröhlich.

Danach kommen Kira und Miriam zum Zug. Sie lesen abwechselnd aus den großartigen Ella-Büchern von Timo Parvela. Kiras Vorlesen wird immer wieder von ihrem eigenen, höchst ansteckenden Lachen untermalt, an besonders witzigen Stellen kann sie sich kaum noch halten Bei Bedarf hilft sie dann der Freundin Miriam, den Lesefluss aufrecht zu halten, denn sie kennt jede Zeile in den Büchern auswendig. Tosender Applaus ist der verdiente Lohn, und zusätzlich eine Handvoll neuer Bonbons aus der berühmten
Original-Werther-Serie. Klasse.

Jetzt kommen Max und Franz an die Reihe. Die beiden Jung-Forscher aus der dritten Klasse haben ein Sachbuch über Dinosaurier geschrieben. Es soll eine ganze Wissens-Serie werden, mindestens 20 Bände, sagt Max stolz. Er beginnt zu lesen und Franz zeigt die eigenen Illustrationen zum Text, später machen sie es umgekehrt. Ist das nicht wunderbar, diese jungen, sprühenden Geister zu sehen? Auch hier nach ihrem Vortrag stürmischer Applaus von den Mamas und Papas, Omas und Opas, und allen Anwesenden. Es ist eine Freude dabei zu sein. Eigentlich ist es Zeit für eine Pause, doch die gönnt man uns nicht.

Zwei Damen vom Veranstalter des Kulturfestivals betreten die Szenerie, wollen mit uns sprechen und bauen sich vor all unseren Gästen auf. Wir sind erstaunt und gespannt, was sie wohl wichtiges zu sagen haben und können kaum fassen, was wir hören. Wir haben den 3. Platz für den schönsten blauen Hof belegt, wir bekommen eine Urkunde und einen Gutschein für ein Dinner zu zweit. Ist das Leben nicht schön? Noch schnell ein paar Fotos, wir sehen blaugefroren und zerzaust aus aber glücklich. Und schon ist die Überraschung vorbei.

  

Daraufhin machen wir aus der Not eine Tugend und laden kurzerhand alle zu Kuchen und Kaffee ein. Unsere Preis- und Spendenliste haben wir endgültig aufgegeben, jetzt wollen wir mit allen Gästen feiern, Entschuldigung Kindergarten nebenan, das nächste Mal bestimmt!!

Zum krönenden Abschluss liest Klaus Werner Hennig aus seinen Capriccios: >> Der Koffer meiner Frau. Der feine Humor des Autors trägt die Stimmung rasant zum Höhepunkt, es hätte zum Abschluss des Tages und der Veranstaltung nicht besser kommen können. Die Begeisterung ließ die Anwesenden für einen Moment sogar die Kälte in den Knochen vergessen.

  

Der Hof ist schnell wieder in Ordnung gebracht, das Tor geschlossen und schon funkelt der rote Wein in den Gläsern. Wir haben jeden Schluck verdient, essen die letzten Schmalzstullen mit Kuchen und werten im fröhlichen Plauderton das Geschehen der letzten Tage aus. Geschafft.


Erst jetzt können wir uns richtig freuen, dass alles so gut gelungen war, wir sogar prämiert wurden für unsere Arbeit in Friedrichshagen. Darauf können wir doch aufbauen, was? In diesem Sinne freuen wir uns heute schon auf das nächste Jahr, das Konzept ist in den Köpfen schon klar und wir werden einiges sicher noch besser machen. Die Feuerprobe ist überstanden, was kann uns schon passieren ...

Inge Kasan,
Brigitte Völker,
Roland Eick

Berlin am 17. September 2008
 
Fotos: Brigitte Völker

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