Lesung in der Marineschule Mürwik in Flensburg


Nach einer flotten Anreise nach Flensburg und Stopp in der SEEWARTE bereitete ich mich seelisch und moralisch auf die Lesung in der Marineschule meines Vaters am 10 Mai gegen 19 Uhr vor..

 

Wieder einmal wandelte ich auf seinen Spuren und ich wollte natürlich die Kapitel aus dem Buch vortragen, die in der Schule stattfanden. Vor nunmehr 70 Jahren saß mein Vater hier und wollte Marine-Offizier werden und ich durfte mir nun alles ansehen. In einer speziellen Führung durch das ROTE SCHLOSS AM MEER, wie es genannt wurde sah ich die alte Turnhalle, den Speisesaal für über 240 Leute, die Aula, die Säulenhalle, die heutige Bibliothek, wo früher die Werkstätten waren und vieles mehr. Der Rundgang durch das alte Gemäuer mit den wunderbaren Fluren und den gezeichneten Türen mit ihren Nummern beeindruckte mich sehr.

Von der Flensburger Förde aus sah man das Rote Schloss und es sah ehrfürchtig aus und ich machte an der gleichen Stelle wie mein Vater vor 20 Jahren ein Erinnerungsfoto.
Beim Eintreffen im WGAZ* wurde ich begrüßt vom Korvettenkapitän Andreas Mückusch, der mir sogleich den Kaisersaal zeigte, worin die Lesung stattfinden würde, ein Raum voller Geschichte und Wahrzeichen. Dann lag alles bereit und so langsam wurde mir flau im Magen, immer mehr Gäste trudelten ein und zu meiner Freude hatten einige schon mein Buch in der Hand. Vor dem Kaisersaal wurde ich persönlich von Admiral Ernst begrüßt, der die Lesung mit erwartungsvollen Worten eröffnete und dann an Andreas Mückusch übergab, der ebenfalls noch ein paar Worte über mich, das Buch an die Gäste verlor. Wie immer begann ich mit der Vorstellung der Funde, die zu diesem Buch geführt haben und dann las ich die vorbereiteten Kapitel ab Seite 33 und hatte bald alle in meinen Bann gezogen.

Nach etwa 45 Minuten war der Spaß vorbei, meine Anspannung löste sich und nun begann ein Frage- und Antwortspiel, wie ich es schon immer erlebt hatte. Im Anschluss daran gab es einen kleinen Stehempfang mit Wein, Wasser, Saft und Brezeln und die Gäste und Herren der Marineschule und wir, das waren meine Frau Mama und mein Cousin Arved, waren Mittelpunkt dieser Szene, die sich nach einem erfolgreichen Bücherverkauf bald wieder auflöste. Der Höhepunkt des Abends war für mich die Einladung zu einem Abendessen in der Offiziersmesse, dort wo man nach langen arbeitsreichen Tagen gemütlich zusammensaß und schnackte, unter seinesgleichen, sozusagen. Dort saßen wir nun und ließen uns bedienen. Es gab ein wunderbares in Speck eingewickeltes Schweinefilet mit Sommergemüse und Holländischer Soße, es war sehr reichlich, für Männer eben und so erfuhr ich auch, dass es unter den Anwärtern für die Marine auch 20 % Frauen gab, die diese Laufbahn einschlagen wollen, aber auch die Möglichkeit haben, jederzeit wieder auszusteigen, weil die Familie ruft, Kinderwünsche sich erfüllen und vieles mehr. Aber wie ich erfahren konnte hat die Marinelaufbahn noch einen großen Zulauf, nach einem DREI-TAGE-TEST der Anwärter erst angenommen wird, dort seine Ausbildung aufzunehmen.

Mein Vater war genau zweimal dort in seiner Laufbahn, einmal 1942 und 1943 und hat die einzigartige Schule genau beschrieben und als ich eine Kompanie im Gänsemarsch und Gleichschritt vorbeimarschieren sah, konnte ich es genau sehen, wie es wohl war damals vor 70 Jahren, wie mein Vater mit 17 Jahren auf dem Weg zum U-Boot-Offizier hier eine besondere Zeit erlebte. Diese Lesereise war einzigartig für mich und man legte mir nahe, auch in anderen Marineschulen zu lesen, so wurden mir gleich Kontakte mitgegeben auf die ich mich nun konzentrieren werde.

Als Dank für die Lesung überreichte man mir einen Bildband mit der Geschichte der Marineschule Mürwik seit ihrer Gründung, was mich sehr stolz macht und ich versprach weiterzumachen mit Lesungen aus jener Zeit, die einen authentischen Einblick geben in das Denken eines jungen Soldaten von damals. Es sind die Geschichten der Einzelnen, die unser Bild vom Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive von „unten“ erweitern.

Inge Ursula Trull Mai 2011

WGAZ = Wehrgeschichtlicher Ausbildungszentrum

Am Dienstag von 14 – 19 Uhr für öffentlichen Zutritt nach Anmeldung

Fotos: Inge Kasan

 
 




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